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Bummler
und Drängler
Eine bedeutende Ursache für Verkehrsunfälle
bildet ein zu gering bemessener Sicherheitsabstand zwischen
zwei Fahrzeugen. Indem der Sicherheitsabstand unterschritten
wird, nimmt sich der betreffende Fahrer des nachfolgenden Fahrzeugs
bei für ihn unerwarteten oder unorthodoxen Bremsmanövern
seines Vordermannes zwangsläufig einen Teil seiner bei
eingehaltenem Sicherheitsabstand um einige Sekunden bzw. Sekundenbruchteile
längeren Reaktionszeit.
Der Abstand sagt also immer auch etwas aus über eine Beziehung
zwischen zwei Fahrzeugführern, die in einem bestimmten
verkehrsbezogenen Verhältnis zueinander stehen.
Beide Fahrzeugführer haben ein grundsätzliches Interesse
am individuellen ungehinderten Fortkommen im Straßenverkehr
und können sich gegenseitig - je nach der konkreten Handlungsweise
im Einzelfall - in ihrem Fahrverhalten positiv wie auch negativ
beeinflussen. Somit ergibt sich zwischen diesen beiden Verkehrsteilnehmern
ein Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeiten, dessen
Stabilität in Richtung auf die Komponente der Verkehrssicherheit
immer dann potenziell gefährdet ist, wenn einer der beiden
Fahrer Fehler begeht und von Sicherheitsnormen abweicht.
Entscheidend für das Grundverständnis dieses Beziehungsverhältnisses
ist allerdings die Tatsache, welcher von beiden Fahrzeugführern
vorne und welcher hinten fährt. Aus dieser subjektiven
Sichtweise des Vorausfahrenden oder Hinterherfahrenden erscheint
der jeweils andere Fahrzeugführer nicht selten entweder
als "Bummler" oder als "Drängler",
dessen jeweilige Fahrweise dann auch folgerichtig oft als Provokation
empfunden wird. Nehmen die im Straßenverkehr gelebten
Emotionen dann überhand, kommt es leicht zu Reaktionen
auf die Fahrweise des anderen Fahrzeugführers, die je nach
Fahrposition aus Bremsvorgängen oder noch dichterem Auffahren
bestehen können, wobei die jeweiligen Zielrichtungen auf
die Beeinflussung des Fahrstiles des anderen gerichtet sind.
Messungen zum Abstandsverhalten werden nahezu ausschließlich
auf Autobahnen und nur durch die Polizei vorgenommen. Aus einer
vergleichenden Untersuchung des Abstandsverhaltens auf Autobahnen
außerhalb von Ballungsräumen ergab sich die nahe
liegende Erkenntnis, dass Autofahrer dort mit einer steigenden
Verkehrsdichte versuchen, ihr Fahrtempo beizubehalten und dieses
Verkehrsverhalten auf Kosten niedrigerer Sicherheitsabstände
geschieht.
Über das Abstandsverhalten im innerstädtischen Raum
bzw. auf außerörtlichen Straßen liegen nur
wenige Untersuchungen vor, obwohl die Frage reduzierter Sicherheitsabstände
keineswegs auf Bundesautobahnen beschränkt sein dürfte.
Als ein Manko in der präventiven Verkehrssicherheitsarbeit
ist auch die Tatsache zu bewerten, dass es für die Messung
des Abstandsverhaltens derzeit kein der Verkehrsaufklärung
bei Geschwindigkeiten vergleichbares Verfahren gibt. Denkbar
und sicherlich technisch möglich wäre es, die Autofahrer
auch hinsichtlich des an den Tag gelegten Abstandsverhaltens
auf fehlerhaft kalkulierte Sicherheitsabstände mittels
elektronischer Warntafeln hinzuweisen (etwa mit dem Hinweis:
"Ihr Abstand zum vorderen Fahrzeug beträgt nur noch
5 m!").
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