|
Unfallursache
Sicherheitsabstand
Der ungenügende Abstand
nimmt in der Rangfolge der durch Fahrzeugführer gesetzten
Hauptunfallursachen schon seit mehreren Jahren unangefochten
den dritten Rang ein.
Die konkreten Zahlen für
die Jahre 1999 und 2000 zeigen eine Stagnation auf hohem Niveau
und lassen es potenziell angeraten scheinen, die entgegen wirkenden
Maßnahmen der Verkehrsüberwachung auf diesem Gebiet
zu intensivieren.
Keine Erkenntnisse bietet die absolute Anzahl dieser Unfallursache
über die vielen Gefahrenbremsungen mittels derer Auffahrunfälle
gerade noch vermieden werden konnten. Dabei liegt es oft an
Faktoren, die nicht direkt vom Fahrzeugführer beeinflusst
werden können wie etwa dem ausgefeilten technischen Bremssystem
des Fahrzeugs oder einem exzellenten Straßenbelag, die
den vom gefährlich abbremsenden Fahrzeugführer an
den Tag gelegten Mangel an Aufmerksamkeit oder seine unbesonnene
Fahrweise ausgleichen.
Verkehrspolitisch mitursächlich für
das häufigere Zustandekommen von Auffahrunfällen ist
eine stetig wachsende Verkehrsdichte.
Die Hauptunfallursache "ungenügender
Abstand" durch Fahrzeugführer im Vergleich:
|
Unfallursachen
|
Einheit
|
1997
|
1998
|
1999
|
2000
|
| Unfallursachen insgesamt |
Anzahl
|
487.386
|
472.925
|
493.527
|
475.792
|
| Ungenügender Abstand |
Anzahl
|
52.813
|
53.924
|
56.783
|
56.412
|
| Nicht angepasste Geschwindigkeit |
Anzahl
|
91.477
|
91.716
|
93.951
|
88.157
|
| Fehler beimAbbiegen |
Anzahl
|
36.274
|
34.997
|
37.654
|
36.622
|
Die Hauptunfallursache des ungenügenden
Abstandes beschreibt allerdings nur den Stellenwert im Rahmen
der Unfallsymptomatik, ist jedoch nicht aussagekräftig
hinsichtlich der Ursache für den ungenügenden Abstand
zwischen Auffahrendem und Auffahropfer, der in den tieferen
Schichten der Fahrmotivationen zu suchen sein wird.
Als Ursachen für einen
in ungenügendem Umfang eingehaltenen Sicherheitsabstand
kommen Gründe in Frage, die allesamt beim Fahrzeugführer
des auffahrenden Fahrzeugs zu suchen sind. Damit ist im Rahmen
dieser Betrachtung der Thematik Verkehrssicherheit erneut der
"Unfallfaktor Mensch" in der Form des Versagens erforderlicher
Fahrfähigkeiten und/oder -fertigkeiten angesprochen. Mängel
in der für das Verkehrsgeschehen geforderten Aufmerksamkeit
können hier ebenso ursächlich sein wie etwa körperliche
Defizite im Sehvermögen der Fahrzeugführer. Aber auch
grundsätzliche Einstellungen zur Verkehrsteilnahme überhaupt,
übliche Gewohnheiten bei der Verkehrsteilnahme und erlernte
bzw. tradierte Wertvorstellungen können in diesem Zusammenhang
eine nicht zu vernachlässigende Rolle für die Herbeiführung
von Auffahrunfällen spielen. Nach alledem spielt es für
die faktische Notwendigkeit, Sicherheitsabstände einzuhalten,
eine entscheidende Rolle, auf Grund welcher charakterlichen
Grundhaltung bzw. in welcher charakterlichen Verfassung die
Fahrzeugführer am Straßenverkehr teilnehmen.
Es ist grundsätzlich als
eine Frage der charakterlichen Reife anzusehen und der Rücksichtnahme
gegenüber anderen Fahrzeugführern anzusehen, wenn
Abstandsregeln in dem für die Verkehrssicherheit erforderlichen
Umfang eingehalten werden.
Eine oft anzutreffende, aber gleichwohl unglückliche Kombination
für die Verkehrssicherheit entsteht zudem stets dann, wenn
bei dem praktizierten Fahrstil zu dem geringen Sicherheitsabstand
noch eine nicht angepasste Geschwindigkeit hinzutritt (Verstoß
gegen § 3 Abs. 1 Satz 1). In solchen Fällen kann bereits
eine kleine Unaufmerksamkeit des mit diesem Fahrstil am Straßenverkehr
teilnehmenden Fahrzeugführers zu einem folgenschweren Auffahrunfall
führen.
Mit der Verursachung von Verkehrsunfällen
hängt aber auch die auf der Grundlage von Information und
Erfahrung getroffene persönliche Einschätzung der
Fahrdynamik und des Fahrverhaltens des eigenen Kfz eng zusammen.
Gerade junge Fahrerinnen und Fahrer haben damit grundsätzliche
Probleme, insbesondere dann, wenn sie einen Pkw mit voller Besetzung
führen. Sie geraten z. T. durch falsche und überzogene
Reaktionen in Risikosituationen, die von ihnen nicht mehr bewältigt
werden können. Es besteht die begründete Vermutung,
dass insbesondere Fahranfänger den Anhalte-Bremsweg infolge
mangelnder Erfahrungswerte noch nicht in dem für die Verkehrsicherheit
erforderlichen Maße abschätzen können. Diese
Einschätzung wird bestätigt durch neueste Erkenntnisse
des Münchener Instituts für Fahrzeugsicherheit, wonach
Auffahrunfälle hinter Unfällen durch Abkommen von
der Fahrbahn und Unfällen beim Abbiegen den dritten Rang
bei der Unfallverursachung durch junge Fahrer einnehmen.
|